Fragen & Antworten

Wie kann ich als BürgerIn helfen? An wen kann ich mich wenden?
Als BürgerInnen haben sie viele Möglichkeiten Flüchtlingen zu helfen. In Form von Sach- oder Geldspenden, ehrenamtlichem Engagement z.B. als Lesepate, Fahrhilfe, Begleitung zum Arzt oder zu Behörden, gemeinsames Kaffee trinken, Sachspenden sortieren, Vormundschaft, Patenschaft, Hausaufgabenhelfer, Wohnraum stellen oder als Dolmetscher/Sprachlehrer helfen.

Bei vielen dieser Tätigkeiten bedarf es keiner großen Anmeldung. Bei Interesse melden Sie sich bei den Zuständigen Organisationen oder unter der Hotline „Erfurt hilft“ – 0361. 655 234 5.

Sprechzeiten:
Montag – Donnerstag 13:00 – 17:00 Uhr
Freitag 08:00 – 12:00 Uhr

E-Mail: erfurthilft@erfurt.de

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht? Wie viele Flüchtlinge nimmt Deutschland auf?
Bis Ende 2014 waren 59.5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. In Deutschland wurden 202.834 Asylanträge gestellt. 33.310 (25,8%) wurden als asylberechtigt oder als Flüchtlinge anerkannt. (Stand Ende 2014) Aufgrund der andauernden Flüchtlingskrise und der oft provisorischen Registrierung der geflüchteten Menschenmassen stehen aktuelle Zahlen des Jahres 2015 noch aus. 
Wer hat ein Recht auf Asyl?
Menschen, die „im Falle der Rückkehr in das Land seiner Staatsangehörigkeit oder als Staatenloser in das Land seines gewöhnlichen Aufenthalts einem schwerwiegenden Eingriff in Leib, Leben oder Freiheit ausgesetzt sein werden“.

Gründe dafür können sein:

– Politische Verfolgung
– Religiöse Grundentscheidung
– Unveränderbare Merkmale, die sein Anderssein prägen (zum Beispiel Nationalität)

Außerdem muss er ohne Umwege nach Deutschland eingereist sein und hier einen Antrag gestellt haben. Hier ein gutes Beispiel: Handbuch zur Flüchtlingshilfe

Wie verläuft das Asylverfahren?
ablauf
Dürfen Asylsuchende arbeiten?
Asylsuchenden ist es in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts verboten zu arbeiten. Danach haben sie einen nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt, was ihre Chancen auf einen Job sehr gering hält. Vorrangig gelten Deutsche, EU-Ausländer und anerkannte Flüchtlinge. Erst nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland haben sie gleichrangigen Zugang.
Was bedeutet eine Duldung?
Geduldete Flüchtlinge dürfen vorerst in Deutschland bleiben. Ein dauerhafter Aufenthalt wird ihnen nicht gewährt, denn sie müssen mit einer Abschiebung rechnen, sobald das Abschiebungshindernis wegfällt. Trotzdem kann sich der Zustand einer Duldung über mehrere Monate hin ziehen. Nach 18 Monaten kann diese Duldung dann in eine Aufenthaltserlaubnis umgeändert werden.
Was geschieht bei Ablehnung?
Wird ein Asylantragssteller abgelehnt, muss er Deutschland innerhalb eines Monats nach der Verkündung der Entscheidung verlassen. Reist der Antragssteller nicht freiwillig aus, droht ihm die Abschiebung.
Woher kommen die Flüchtlinge/Asylsuchenden, die in Erfurt leben? Wie alt sind sie?
Die meisten geflüchteten Menschen kommen aus Syrien, Afghanistan, Albanien, Irak, Russische Förderation, Mazedonien, Aserbaidschan, Eritrea, aber auch aus Serbien und anderen Staaten.
Alle Altersklassen sind vertreten, durchschnittlich sind die Flüchtlinge 35 Jahre alt. Unter ihnen sind auch viele Kinder und Jugendliche. (Stand September 2015)
Wie werden Flüchtlinge in Erfurt untergebracht? Wo befinden sich die Unterkünfte?
Maximal 3 Monate bleiben die Flüchtlinge in einer zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Bundes und des Freistaates Thüringen, bevor sie dann mithilfe eines Computerprogramms auf Landkreise und kreisfreie Städte aufgeteilt werden. Erstaufnahmeeinrichtungen befinden sich in Suhl, Eisenberg, Mühlhausen und in der Messe in Erfurt.

In den Landkreisen und den Städten leben Flüchtlinge in Wohnungen oder in Gemeinschaftsunterkünften. In Erfurt sind Gemeinschaftsheime in den Stadtteilen Andreasvorstadt, Gisperleben, Daberstedt, Johannesvorstadt und Ilversgehofen lokalisiert. Weitere Unterkünfte sind aufgrund der Flüchtlingsproblematik in Planung.

Was bekommen die Flüchtlinge/Asylsuchende hier in Erfurt?
Asylsuchende erhalten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetzt. Sobald ein Asylsuchender als Flüchtling anerkannt wird, erhält er Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch. Dadurch kann er Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Alterssicherung erheben.

Flüchtlinge werden nach den ersten drei Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Gemeinschaftsunterkünften oder Wohnungen untergebracht. Zudem bekommen sie Grundleistungen für Essen und Trinken, Kleidung, Körperpflege sowie ein Taschengeld. Bei Krankheit, Schwangerschaft oder Geburt erhalten sie zusätzliche Leistungen.

Wie werden die Flüchtlinge in den Unterkünften betreut?
In den Gemeinschaftsunterkünften gibt es neben Wach- und Hausmeisterdiensten auch Sozialpädagogen/innen die Flüchtlinge sozial betreuen und unterstützen. 
Was passiert mit minderjährigen Flüchtlingen?
Meist ist es der Fall, dass minderjährige Flüchtlinge in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht werden und ein Vormund organisiert wird. In Erfurt werden die Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren durch das Jugendamt betreut.

In einem sogenannten „Clearingverfahren“ wird dann der Hilfebedarf des Kindes oder des Jugendlichen festgestellt. Dabei wird zum Beispiel geklärt, was der Grund der Flucht war, ob es Familienangehörige gibt und wie der Entwicklungsstand ist. Aufgrund dessen werden dann weitere Schritte festgelegt. 

Gehen die Kinder zur Schule?
Nach den ersten drei Monaten in Deutschland herrscht für die Kinder im schulpflichtigen Alter Schulpflicht. Bevor sie in reguläre Klassen kommen, besuchen sie sogenannte Vorbereitungsklassen, in denen der Deutschunterricht im Fokus steht.

Nicht alle Kinder können jedoch sofort eingeschult werden. Grund dafür ist vor allem der Mangel an Lehrern, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten. 

Kann ich die Vormundschaft für einen minderjährigen Flüchtling übernehmen?
Ja, das ist möglich. In Erfurt ist es Aufgabe des Jugendamts, Vormunde zu gewinnen und zu qualifizieren. Informationen dazu hier.